Volunteer Geschichten
Samantha Bonito
Ich hatte die beste Woche meines Lebens. Vor acht Tagen sind wir auf einer Quad Bike Tour in die Umgebung von Siem Reap gefahren und haben unterwegs das Chres Village besucht, das etwa 40 Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt und wo das Chres Village School and Orphanage steht. Wir haben es als einen Teil von der Quad Bike Tour besucht und ich war so davon überwältigt, dass ich gleich fragte, ob ich als Freiwillige arbeiten könnte und sie stimmten zu. Für die nächsten 8 Tage wurde ich jeden Morgen um 7.00h von einem der zwei Jungs (Pep und Yeoul) abgeholt und war um 4.45h wieder zu Hause. 300 Kinder waren vor Ort, wovon 50 Waisen sind, im Alter von 6 bis 17 Jahren. Aus ihren Erzählungen erfuhr ich, dass die Meisten ihre Eltern durch einen Verkehrsunfall, HIV, das schlechte Gesundheitswesen und Armut verloren haben. Einige wurden einfach verlassen, weil ihre Eltern sie nicht mehr ernähren konnten. Ohne dieses Waisenhaus wären diese Kinder mit Sicherheit in ein Umfeld von Prostitution, Drogen und Betteln geraten. Man sieht dies jeden Tag auf den Strassen – es ist Herz zerbrechend. Die anderen Kinder sind alle aus sehr armen Familien, die in den umliegenden Dörfern wohnen.
In den Vormittagen bestand meine Klasse aus 30 Schülern, auf unterschiedlichem Niveau. Einige konnten Sätze schreiben, andere konnten nicht einmal ihren Namen sagen. Es war schwierig und brauchte viel Geduld (viel mehr, als ich jemals bei der Krankenpflege brauchte). Ich dachte, es würde einfach sein Englisch zu unterrichten, wahrscheinlich einfach weil ich weiss, wie man spricht und schreibt. Aber es war wirklich nicht einfach. An einem Tag verbrachte ich 3 Stunden damit, das Wort „snake“ immer und immer zu wiederholen. Sie konnten’s einfach nicht sagen. Ich fing an mich zu hinterfragen und zweifelte daran, ob ich es richtig sage? Sie wiederholten auch immer alles, was ich sagte. Ich musste also gut aufpassen beim Reden. Einem Jungen habe ich gesagt, dass er sehr gut im Unterricht mitmacht und habe dabei mitten im Satz „ooooh“ gesagt, was er sofort kopierte. Ich musste ihm dann erklären, dass das kein richtiges Wort ist ich das nur so dumm daher gesagt habe. Aber alle Kinder sind wirklich sehr wissbegierig. Sie sehen das Lernen von Englisch als einen Weg aus der Armut raus. In meiner Nachmittagsklasse waren jeweils 60 Schüler anwesend. 4-5 Kinder zusammen an einem kleinen Tisch. Das war noch schwieriger als am Morgen. Aber die Genugtuung die ich fühlte, wenn sie wirklich Wörter brauchten, die ich ihnen beigebracht hatte oder „My name is...“ sagten (was sie vorher noch nicht konnten), war unbeschreiblich. Ich wünschte mir einfach, ich hätte mehr Zeit mit ihnen gehabt. Eine Woche war einfach nicht genug, um denen zu helfen, die wirklich Mühe hatten. Für meinen letzten Tag habe ich Fotos von allen Schülern gemacht (es kostete mich ein Vermögen, diese alle entwickeln zu lassen) und sie haben daraus Posters gemacht. Sie durften zeichnen, was sie wollten, so lange sie auch ein paar Zeilen auf Englisch dazu schrieben. Das Endresultat war super und sie hatten Spass dabei.
Es war erstaunlich, aber es war eigentlich nie emotional schwierig. Sie sind einfach zu fröhlich und so voller Leben. Viele Kinder lieben es im Waisenhaus zu leben, weil sie dort viele Freunde haben. Natürlich gab es auch Zeiten, die schwierig waren. Vor allem als sie ihre Weihnachtsgeschenke (Kisten aus Amerika und England) bekamen. Die Kinder waren so aufgeregt über die kleinsten Sachen wie Bleistifte, Jo-Jo’s etc. Es war herzerwärmend. Einige Schachteln hatten Fotos von den Familien drin, die das Geschenk geschickt haben. Das hat die Kinder etwas verwirrt, aber sie liebten es die lächelnden weissen Gesichter anzuschauen. Ich weiss eigentlich nicht, warum mich dies so mitgenommen hat, vielleicht waren es Westliche Schuldgefühle.
Ich habe mich auch mit meinen Fahrern angefreundet, den zwei Jungs die sich ein extra Taschengeld damit verdienen, Volunteers herum zu fahren. Ich habe sie einige Male zu Hause besucht und mit ihnen zu Abend gegessen, was super war. Vor allem, als sie mir den 3 Monate alten Fisch auftischten. Jeden Tag auf dem Heimweg musste ich ihnen Michael Jackson Lieder singen. Sie waren so grosszügig mit den wenigen Dingen, die sie hatten, was mich ziemlich emotional werden liess. An meinem letzten Tag verwöhnte ich sie mit ein paar Geschenken.
Ich werde definitiv wieder zurückkommen. Nächstes Mal für viel länger.
Love, Sam xxxx


