Volunteer Geschichten
Judy Barret
Ich mache mir keine Illusionen, wenn es darum geht mit Kindern zu arbeiten. Kinder regieren meine Familie, sie rennen herum, schreien, kreischen und weinen. Nachdem wir die Tempel besucht hatten, haben meine Freundin Kate und ich uns Gedanken darüber gemacht, was wir als nächstes tun sollen. Da sahen wir ein Poster in einem lokalen Internet Cafe. Ein Waisenhaus suchte nach Volunteers... und ausnahmsweise war es nicht so eine grosse „Gap Year“ Firma, die für viel Geld Volunteers vermittelt. Das Chres Village School and Orphanage hatte etwas Aufrichtiges und Bedürftiges an sich. Nervös wählten wir die Nummer von dem Poster und erfuhren, dass wir in einer halben Stunde abgeholt werden. Wir eilten zurück zum Guesthouse und warteten. Bald darauf kam Fiphon auf seinem Motorroller an und schüttelte uns herzlich die Hand, bevor er uns alles über das Waisenhaus und die Schule erzählte. Es wir geführt von seiner Familie und obwohl sie damit kämpfen, Geld und Volunteers zu bekommen, spürten wir seine Begeisterung für alles. Er war so dankbar, dass ich nur hoffte, dass wir ihnen auch wirklich helfen können. Ich machte mir etwas Sorgen, dass wir nicht unbedingt geeignete Lehrer seien, da wir die Schule selber erst abgeschlossen haben.
Als wir bei der Schule ankamen, waren die Kinder bereits im Unterricht, wo sie Sätze laut wiederholten. Als uns Fiphon herum führte, standen die Kinder auf und riefen zu unserem entzücken im Chor „Good Afternoon Teacher!“. Obwohl sie sich danach wieder dem Unterricht und der Wandtafel zuwandten, gab es immer welche, die neugierig einen Blick erhaschten, kurz winkten oder ganz einfach nur starrten. In der Pause umzingelten uns die Kinder und fragten uns in einem sehr guten Englisch aus. Sie waren alle so glücklich und lächelten, obwohl uns einige erzählten, dass sie keine Eltern mehr haben. Später erfuhren wir, dass die Meisten ihre Eltern in Verkehrsunfällen oder durch Krankheiten wegen dem schlechten Gesundheitswesen verloren haben. Ganz verliebt in das Waisenhaus kehrten wir zu unserem Guesthouse zurück, sprachen unseren Segen und freuten uns darauf, mit der Arbeit anfangen zu können.
Ich habe während den folgenden drei Wochen mit Unterbrechungen im Chres Village School and Orphanage unterrichtet. Und die Kinder haben mein Leben verändert. Weg waren meine Vorurteile über Kinder. Ich brauchte die Geduld gar nicht aufzubringen, auf die ich mich eingestellt hatte, weil die Kinder so begeisterungsfähig waren. Ich musste sie gar nicht für mich gewinnen, weil sie generell sehr fürsorglich und lieb sind zu den Lehrern und untereinander. Es fühlte sich gar nicht so an, als würde ich arbeiten – weil sie mir die beste Zeit meines Lebens bescherten. Wir arbeiteten hart – ich erfand zusätzliche Übungen, um ihnen Englisch beizubringen – und danach spielten wir an der Sonne. Meine Klasse war vom Alter und von den Kenntnissen her sehr gemischt, was mich anfangs eingeschüchtert hatte, da ich nicht wusste, wie ich sie unterrichten soll. Doch mit der Hilfe von einem Khmer Lehrer, der in meinen Stunden sass, konnte ich Sachen erklären und ihre Probleme verstehen. Ich musste über die Genauigkeit lachen, mit der die Schüler die Wörter wiederholten, die ich ihnen beibrachte und musste selber aufpassen, alles klar auszusprechen. Gegen Ende der Lektion haben wir meistens gespielt oder Lieder gesungen und manchmal gaben sie mir Khmer Unterricht. Manchmal fragte ich mich, ob ich mehr von den Kindern bekomme, als ich ihnen gebe. Doch ein Mädchen kam jeden Tag nach dem Unterricht zu mir rauf und sagte „Teacher I love you!“ und so wusste ich, dass alle von diesem einmaligen Erlebnis profitieren. Es machte mir auch Spass, mich mit den älteren Schülern, die in unserem Alter waren und mit den anderen Lehrern zu unterhalten. Ihr Englisch war hervorragend und ich denke gerne daran, dass wir langsam Freunde wurden.
Ich musste immer wieder mal an Kinder zu Hause denken und daran, wie die sich benehmen, obwohl sie so viel Glück haben. Ich musste auch mit mir selber schimpfen, dass ich nicht dankbar genug bin für das was ich habe, während diese Kinder, die in einem weniger privilegierten Umfeld aufwachsen müssen, so viel glücklicher sind, als ich es jemals war. Ich werde die Liebenswürdigkeit der Menschen im Chres Village School and Orphanage nie vergessen. Kate und ich hoffen, dass wir zu Hause Schulen und Geschäfte dafür begeistern können, Geld für das Waisenhaus zu sammeln. Hoffentlich sind die Menschen zu Hause genau so Grosszügig, wie die Kinder und die Familie hier an der Schule. Ich wünsche ihnen nur das Beste für ihre Zukunft... mögen sie die Tour Guides und Lehrer werden, wie sie es sich wünschen... lasst sie das sein, was sie sein möchten, denn wenn jemand das kann, dann sind sie das! Mit etwas Unterstützung...
Ich werde meine Zeit dort nie vergessen.
Love Judy


